Sie wünschen sich Unterstützung, Ihr Partner oder Ihre Partnerin winkt ab. Vielleicht mit einem knappen „Das bringt doch nichts“, vielleicht mit Schweigen, vielleicht mit Ärger. Das ist eine häufige Situation – und noch keine endgültige Antwort.

Was hinter einem Nein stehen kann

Ein Nein zur Paarberatung ist selten ein Nein zu allem. Häufig steht etwas anderes dahinter, zum Beispiel:

  • die Sorge, im Gespräch zum Schuldigen gemacht zu werden;
  • Scham, vor einem Fremden über Privates zu sprechen;
  • die Erfahrung, dass Reden bisher nichts verändert hat;
  • die Angst, dass am Ende eine Trennung steht;
  • Zweifel an Zeit und Geld – oder daran, ob so etwas „für uns“ ist.

Welche dieser Möglichkeiten zutrifft, wissen Sie nicht, solange Sie nicht fragen. Und Sie werden es kaum erfahren, wenn die Frage wie ein Vorwurf klingt.

Was helfen kann

Von sich sprechen, nicht über den anderen

„Du musst an dir arbeiten“ lädt zur Verteidigung ein. „Ich merke, dass ich nicht mehr weiterweiß, und ich möchte verstehen, was zwischen uns passiert“ lädt eher dazu ein, zuzuhören.

Den Rahmen konkret machen

Ein unbestimmtes „Wir sollten mal zur Paarberatung“ klingt nach endlosen Sitzungen. Ein konkretes Angebot lässt sich leichter prüfen: ein Gespräch, eine Stunde, das Ergebnis offen – und niemand muss dort recht bekommen.

Die Entscheidung beim anderen lassen

Druck erzeugt Gegendruck. Wer Paarberatung als Drohung oder letztes Ultimatum einsetzt, macht es dem anderen fast unmöglich, freiwillig Ja zu sagen.

Ein Angebot bleibt ein Angebot.

Skepsis ernst nehmen

Sie müssen nicht gleich motiviert sein. Skepsis ist kein Hindernis, solange beide bereit sind, sich selbst mitzuprüfen und das Ergebnis offenzulassen. Das darf man dem anderen auch genau so sagen.

Was Sie allein tun können

Eine Beziehung ist ein Zusammenspiel. Wenn einer von beiden anders hinschaut, anders antwortet oder klarer weiß, was er will und was nicht, kann das auch das Miteinander verändern – nicht auf Knopfdruck, aber spürbar.

Deshalb kann es sinnvoll sein, zunächst allein ein Gespräch zu führen: um die eigene Position zu klären, den eigenen Anteil zu sehen und herauszufinden, welcher nächste Schritt für Sie verantwortbar ist. Manchmal ist ein solches Einzelgespräch auch der Weg, auf dem der andere später dazukommt. Eine Garantie dafür gibt es nicht.

Wenn Angst im Raum steht

Wenn Sie Angst vor Ihrem Partner haben, eingeschüchtert werden oder Gewalt erleben, ist gemeinsame Paarberatung nicht der richtige Rahmen – und es ist auch nicht Ihre Aufgabe, den anderen dorthin zu bewegen. Holen Sie sich zuerst Unterstützung für sich.

Rund um die Uhr, kostenfrei und anonym erreichbar ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016. Das Opfer-Telefon des Weissen Rings erreichen Betroffene unter 116 006. In akuter Gefahr wählen Sie den Polizeinotruf 110.

Der nächste Schritt

Wenn Sie sich unsicher sind, wie Sie das Thema ansprechen sollen, oder zunächst für sich Klarheit brauchen, können Sie sich allein für ein Erstgespräch melden. Wir prüfen dann gemeinsam, welcher Rahmen verantwortbar ist.